reconcept: „Batteriespeicher bei Projekten endlich systematisch mitdenken“
Karsten Reetz im Gespräch mit BondGuide. das Interview führte Falko Bozicevic
BondGuide: Es steht ja die Reform des EEG-Gesetzes an. Wo bleibt es eigentlich – was erwarten Sie?
Reetz: Die Branche wartet in der Tat mit einer gewissen Ungeduld auf die nächsten regulatorischen Schritte, denn wir brauchen dringend einen verlässlichen Rahmen, der mit der technologischen Realität unserer Projekte Schritt hält und die massiven Investitionsbedarfe der kommenden Jahre absichert. Schließlich geht es hier um zentrale Themen wie Systemintegration, Netzstabilität und Versorgungssicherheit in einem zunehmend volatilen Strommarkt. Regulatorische Unsicherheit wirkt als Bremsklotz für Kapital, das bei klaren Leitplanken eigentlich bereitstünde, um die Transformation voranzutreiben.
BondGuide: Und, konkret?
Reetz: Ein großer Wurf müsste vor allem die Flächenkulisse konsequent öffnen, also verstärkt Potenzialflächen für Erneuerbare Energien rechtlich zugänglich machen. Dies würde mehr Tempo in die Planung von Wind- und PV-Freiflächenanlagen bringen und damit die Voraussetzung dafür schaffen, dass die gesetzten Ausbauziele bis 2030 in greifbare Nähe rücken. Zusätzlich müssen die bürokratischen Hemmnisse in der Projektentwicklung weiter abgebaut werden. Derzeit sind die Hürden beispielsweise für die Genehmigung von Hybridparks sowie für das Repowering bestehender Anlagen zu komplex. Entscheidend wird zudem sein, dass Speicher endlich systematisch mitgedacht werden. Wir brauchen vor allem klare Rahmenbedingungen für Flexibilitäten und marktliche Anreize für netzdienliches Verhalten. Wenn es gelingt, hier konsequent anzusetzen, wäre schon viel gewonnen.
BondGuide: Soweit die Theorie, wie realistisch schätzen Sie das Verständnis beim Gesetzgeber ein?
Reetz: Allerdings erwarte ich, ehrlich gesagt, keinen solchen großen Wurf. Wir bei reconcept haben uns längst darauf eingestellt, dass wir nicht allein auf den Gesetzgeber warten können. Deshalb konzipieren wir unsere Projekte von vornherein so, dass sie durch technologische Effizienz und eine kluge Standortwahl auch unter wechselnden regulatorischen Vorzeichen oder rein marktgetriebenen PPA-Strukturen bestehen können. Es geht darum, die Resilienz unseres Geschäftsmodells gegenüber politischen Zyklen nachhaltig zu stärken und die Energiewende quasi als wirtschaftlichen Business-Case zu begreifen, der auch ohne ständige regulatorische Nachbesserungen eine attraktive Rendite für unsere Anleger erwirtschaftet.
BondGuide: Woran hakt es bei Batteriespeichern, wenn der Nutzen so klar ersichtlich ist?
Reetz: Die Technologien sind verfügbar, ausgereift und wirtschaftlich zunehmend attraktiv. Die Kosten für Batteriespeicher sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, während die Leistungsfähigkeit kontinuierlich steigt. Das wesentliche Hemmnis liegt im regulatorischen Rahmen und in einem strukturellen Defizit bei der Integration dieser Systeme. Speicher werden in Deutschland regulatorisch immer noch nicht konsequent als eigenständige Säule des Energiesystems behandelt.
BondGuide: Der Gesetzgeber ist nicht auf Ballhöhe mit wirtschaftlicher Logik?
Reetz: Wenn ein Projektentwickler heute einen Solarpark mit integriertem Speicher plant, muss er zahlreiche Unwägbarkeiten einkalkulieren. Dabei ist der Nutzen offensichtlich: Ein Solarpark mit Speicher kann Einspeisespitzen glätten, negative Strompreise vermeiden und gezielt dann Strom liefern, wenn er gebraucht wird. Das erhöht nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Projekts, sondern entlastet auch die Netze. Die Logik spricht also eindeutig für die Kombination, aber die Regulierung hinkt leider bislang hinterher.
BondGuide: Sind wir auch in puncto BESS immer noch im bisherigen ‚Deutschland-Tempo‘ unterwegs?
Reetz: Wir haben beim Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung zuletzt durchaus Tempo aufgenommen. Bei der Integration von Großspeichern hingegen bewegen wir uns weiterhin mit angezogener Handbremse. Es ist paradox: Wir diskutieren intensiv über drohende Netzengpässe und die volkswirtschaftlichen Kosten negativer Strompreise, müssen aber Monate oder gar Jahre auf entscheidende Neuerungen warten, die genau diese systemkritischen Probleme lösen könnten. Alle Akteure sind sich einig, dass Flexibilität der Schlüssel für das Gelingen der Energiewende ist. Gleichzeitig behandeln wir Speicher regulatorisch jedoch wie einen Sonderfall, der eher kontrolliert als gefördert wird. Deutschland neigt dazu, sehr gründlich zu regulieren. Das bringt viele Vorteile mit sich, etwa in Bezug auf Systemstabilität. Aber es führt auch dazu, dass neue Technologien zunächst in ein enges Korsett gezwängt werden. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Es geht nicht darum, Sicherheitsstandards zu senken oder Risiken zu ignorieren. Vielmehr sollte es das gemeinsame Ziel sein, die vorhandenen Potenziale wesentlich stärker zu nutzen und Investitionen nicht unnötig zu verzögern. Das derzeitige Tempo ist angesichts der Herausforderungen schlicht nicht ausreichend.
BondGuide: Möchte Deutschland lieber das Rad neu erfinden? Von wem könnte Deutschland lernen?
Reetz: Ein Blick nach Finnland, einem unserer drei Kernmärkte, zeigt sehr eindrucksvoll und praxisnah, wie eine moderne, pragmatische und vor allem zielorientierte Energiepolitik in der Realität funktionieren kann. In Finnland erleben wir eine deutlich höhere Geschwindigkeit bei der strategischen Flächenausweisung und eine bemerkenswerte Offenheit für technologische Innovationen, wie etwa großskalige Windkraftprojekte in Kombination mit Wasserstoff-Elektrolyseuren. Dort wird weniger ideologisch über das grundsätzliche ‚Ob‘ diskutiert, sondern sehr unternehmerisch und lösungsorientiert über das ‚Wie‘ entschieden. Diese Praxis führt für uns als Projektentwickler und für unsere Investoren zu einer förderlichen Planungssicherheit und zu kürzeren Amortisationszeiten.
Es geht darum, bewährte Standards zu übernehmen, anstatt sich in nationalen Sonderwegen zu verlieren, die nur unnötig Zeit und Kapital kosten, ohne einen echten technologischen Mehrwert zu bieten.
BondGuide: Können Sie denn etwas der Best Practice aus Finnland nach Deutschland importieren‘?
Reetz: Wir nutzen diese wertvollen Erfahrungen aus unserem umfangreichen finnischen Portfolio aktiv, um auch in Deutschland Best-Practice-Lösungen zu implementieren und unsere internen Prozesse ständig zu optimieren. Es geht darum, bewährte Standards zu übernehmen, anstatt sich in nationalen Sonderwegen zu verlieren, die nur unnötig Zeit und Kapital kosten, ohne einen echten technologischen Mehrwert zu bieten. Deutschland könnte lernen, regulatorische Komplexität zu reduzieren und stärker auf marktwirtschaftliche Anreize zu setzen. Wir haben exzellente Ingenieure, leistungsfähige Unternehmen und Kapital, das investiert werden möchte. Was wir brauchen, ist ein verlässlicher Rahmen, der Innovation fördert, statt sie auszubremsen.
Wir wollen nicht darauf warten müssen, bis jede Detailfrage politisch geklärt ist, sondern schon innerhalb des bestehenden Rahmens attraktive Lösungen entwickeln.
BondGuide: Sieht sich die reconcept gut aufgestellt, auch unabhängig von Förderungen?
Reetz: Wir haben uns frühzeitig dafür entschieden, Speicher als integralen Bestandteil unserer Projektstrategie zu betrachten. Für uns sind BESS kein Add-on, sondern ein logischer Schritt in der Weiterentwicklung unserer Solar- und perspektivisch auch Windprojekte. Natürlich spüren auch wir die regulatorischen Hürden und die Unsicherheiten im Marktumfeld. Das betrifft Genehmigungen, Netzzugänge und Erlösmodelle gleichermaßen. Gleichzeitig sind wir jedoch fest davon überzeugt, dass sich wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle auch ohne klassische Förderinstrumente entwickeln lassen. Der Markt für Flexibilität wird wachsen, weil das System sie zwingend benötigt. Negative Preise, Engpässe im Netz und steigende Volatilität schaffen ökonomische Anreize, die Speicher adressieren können. Darauf haben wir uns strategisch längst eingestellt. Wir wollen nicht darauf warten müssen, bis jede Detailfrage politisch geklärt ist, sondern schon innerhalb des bestehenden Rahmens attraktive Lösungen entwickeln.
BondGuide: Kann man über die reconcept auch gezielt statt pauschal in BESS investieren?
Reetz: Über unsere aktuellen Green Bonds können Investoren derzeit festverzinst in die Projektentwicklung auch von Batteriespeichern auf Freiflächen investieren – mit Fokus auf Deutschland über den reconcept EnergieDepot Deutschland I. Dieser Bond ist bereits nahezu vollplatziert, eine Warteliste wird in Kürze eröffnet. Interessierten Anlegern bieten wir darüber hinaus über den mit 7,75% p.a. verzinsten reconcept Green Global Energy Bond II die Möglichkeit, breiter und international gestreut in unsere Projektentwicklung Erneuerbarer Energien zu investieren. Wir setzen dabei ganz bewusst auf die langfristigen Marktkräfte und die technische Überlegenheit einer speicherbasierten Energieerzeugung, die sich am Ende allein durch ihre Effizienz durchsetzen wird, weil sie die einzige ökonomisch sinnvolle Antwort auf die Preis- und Nachfrageschwankungen am Strommarkt darstellt. Für unsere Anleger bedeutet dies, an einem zukunftsstarken Projektportfolio mittelbar zu partizipieren, das nicht am Tropf staatlicher Subventionen hängt, sondern durch echte Wertschöpfung in einem sich wandelnden Energiemarkt nachhaltig überzeugt.
BondGuide: Herr Reetz, einmal mehr ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit!
